Das sechste Dreieck – Stirnchakra

Der Weg ins transrationale Urvertrauen

Sechstes Beziehungs- und Entwicklungsdreieck

Urangst: Angst vor Fehlern und vor der Verletzung der seelischen Integrität. 

Grundbedürfnis: Bedürfnis nach Transzendenz.

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1 Kontrollstrategie (Passivpol, passivischer Teil des Egos):

Ignoranz. Selbstzweifel. Zweifel an der Menschheit. Glaubenskrisen und Lebenskrisen. Die Entstehung von Glaubenssätzen und hemmenden Narrativen. Im Passivpol des sechsten Dreiecks entstehen all die Glaubenssätze, die in den “vorherigen” Dreiecken in den Passivpolen zum Tragen kommen, all die “Ich-kann-nicht…”, “Ich bin nicht genug…”, “Ich-sollte-nicht…”. Glaubenssätze sind Erzählungen über das Menschsein und das eigene Dasein, die auch anders erzählt werden könnten. Im Passivpol ist man auf die Idee aber noch nicht gekommen. Man hat keine Ahnung davon, dass das Leben eine Erzählung ist und dass es von uns selbst erzählt wird und dass das Leben exakt dem folgt, was wir uns selbst über das Leben erzählen. Aus Angst, Fehler zu machen und andere zu verletzen oder selbst verletzt zu werden, zögert und zaudert man und versucht die Erzählung lieber nicht auszuerzählen, damit sich nichts Schlimmes ereignen kann. Dass man selbst und die Menschheit sich in der Bewusstseinsentwicklung befindet, davon weiß man auch nichts, darum schwankt man zwischen der Erzählung, der Mensch sei von Natur aus gut und er sei von Natur aus schlecht hin und her und findet keinen Ausweg aus diesen extremen Sichtweisen. Beide Erzählungen versuchen den Zweifel an der Menschheit in Schach zu halten. Im Grunde seines Herzens befürchtet man, die Menschheit sei verloren.

Hemmende Glaubenssätze:

Die Welt ist schlecht.

Die Welt ist dem Untergang geweiht.

Der Mensch ist im Grunde gut.

Die Natur des Menschen ist schlecht.

Es wird immer schlimmer mit dem Menschen und seinem Egoismus.

Man wird von morgens bis abends nur belogen.

Ich weiß nicht, wie das noch weitergehen soll.

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2 Kompensationsstrategie (Aktivpol, aktivischer Teil des Egos):

Hochmut. Erzählungen, die keinen Zweifel kennen. Absolutismus. Missionarischer Eifer. Misanthropie. Rationalisierende Glaubenssätze. Im Aktivpol hat man sich dann entschieden, die Menschheit für gut oder schlecht zu halten und diesen Anspruch absolutistisch zu vertreten. Es werden entsprechende “Beweise” gesammelt. Im Aktivpol werden aber auch einzelne Gruppen für gut und andere für schlecht gehalten, was zu allen Arten von Diskriminierung führt. Eine grundsätzliche Misanthropie ist ebenfalls denkbar. Der Zweifel an der Menschheit oder an Teilen der Menschheit wird zornig und verachtend vertreten, während legitimierende Erzählungen das eigene Unrechtsbewusstsein der Diskriminierung gegenüber außer Kraft setzen, wie es im Rassismus und Antisemitismus geschieht. 

Hemmende Glaubenssätze:

Ich habe die absolute Wahrheit.

Ich und meinesgleichen sind besser als andere.

Andere haben sich halt nicht so entwickelt wie wir.

Wir verdienen unsere Privilegien.

Ich bin höher entwickelt.

Dass manche überlegen sind und andere unterlegen, das war schon immer so.

Die Unwertbehandlung anderer ist ganz normal und nur natürlich. 

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3 Einstellungswerte (Yin-Kraft / Emanzipation von der Urangst, weiblicher Teil des Selbst):

Achtsamkeit. Toleranz, Hingabe. Intuition. Inspiration. Zuhören. Die Toleranz ist das Ergebnis der Synthesefähigkeit gegenüber den verschiedenen Erzählungen, die von jedem Einzelnen für wahr gehalten werden. Die Wahrheit liegt nicht wie ein fauler Kompromiss in der Mitte von einander entgegengesetzten Auffassungen, sondern die Wahrheit ist die Synthese der Sichtweisen. Um die Synthese bilden zu können, muss man einander zuhören. Die Fähigkeit, zuzuhören, hat sich von dem Drang, Recht haben zu wollen, emanzipiert. Sie sieht es stattdessen als spannend an, den Kern der verschiedenen Narrative zu erfassen und vielleicht auch die Wege nachzuvollziehen, die die Narrative genommen haben bis sie zu dem wurden, was aktuell als Wahrheit vertreten wird. Mehr als das, was erzählt wird, interessiert hier ohnehin die Art wie, warum und wozu etwas erzählt wird. Mit Hingabe widmet sich ein Mensch einem Lebensthema, dem er*sie sehr genau zuhört und es erforscht, um diesen Aspekt des Lebens wirklich in der Tiefe zu verstehen.

Fördernde Glaubenssätze:

Jeder Mensch kann ein*e Expert*in auf irgendeinem Gebiet oder in irgendeiner Frage sein.

Ich widme mich einer Sache von ganzem Herzen.

Ich höre so lange zu, bis ich wirklich verstanden habe, worum es in der Tiefe einer Sache, eines Konflikts, einer Erzählung geht.

Indem ich zuhöre blicke ich unter die Oberfläche.

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4 Schöpferische Werte (Yang-Kraft / Eigenkraft, männlicher Teil des Selbst):

Vorstellungskraft. Behutsamkeit. Rücksichtnahme. Gelassenheit. Solidarität. (Sich-)Informieren. Bildung. Zum Aspekt der Selbstinformation gehört die Yang-Kraft des Fragenstellens – und dann die Yin-Kraft des Zuhörens. Beides gehört auch zum inneren Auftrag, andere informieren zu wollen. Information und Bildung liegen jenseits allen missionarischen Eifers. Jemanden und auch sich selbst informieren und bilden zu können erwächst aus der Yin-Kraft der Hingabe an eine Sache und nicht aus dem Hochmut, zu glauben, man sei begnadeter als andere. Man geht rücksichtsvoll vor, wenn man jemand anderes über etwas informieren will, informiert sich zunächst, welche Informationen schon vorliegen und wie sie bisher gedeutet wurden. Solidarität und Gelassenheit schließen den Gedanken des Teilenwollens, aber nicht Teilenmüssens mit ein. Man setzt sich für jemanden ein, aber man kann den Mitmenschen lassen, wenn er*sie gerade nicht bereit ist, das Geteilte anzunehmen. Die Inhalte der eigenen Vorstellungskraft könnten andere auch überfordern, was mit Rücksichtnahme und Behutsamkeit quittiert werden sollte. Dann arbeitet man eben an einer anderen Stelle.

Fördernder Glaubenssatz:

Ich folge meiner Inspiration, aber ich muss es nicht tun.

Ich kann Einladungen aussprechen und kann andere lassen, wenn sie keine Aufnahmebereitschaft zeigen.

Ich kann Gegeneinladungen ebenfalls lassen, was sie sind, und bin frei, sie dankend anzunehmen oder abzulehnen.

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5 Ressource:

Urvertrauen. Innerer Frieden. Innerer Reichtum. Innere Größe. Anmut. Synchronizität. Dankbarkeit. In der Ressource des sechsten Dreiecks ist man auf dem Weg, in sein Urbild zurückzukehren. Im transrationalen Urvertrauen ist das prärationale Urvertrauen transzendiert worden. Man schwingt synchron mit seinem persönlichen, seelischen Bewusstseinsstrom. Die momentane Synchronisierung (Yin-Kraft) findet häufig über die Meditation statt, das meditative Gehen, das Waldbaden, den ganz gewöhnlichen Spaziergang in der Natur oder einen Moment des Atemholens und des Für-sich-Seins. Die grundsätzliche Synchronisierung findet über die Hingabe an sich selbst statt, die Introspektion, die Selbstreflexion und das, was man innere Arbeit nennt. Diese innere Arbeit stellt über die Entwicklung der drei Bewusstseinsebenen hinweg den inneren Frieden her. Alle integrierten Erfahrungen werden als innerer Reichtum empfunden. Aus den auf ihr Potenzial hin ausgewerteten Fehlern entsteht eine innere Größe, die einen fortan auf anmutige Art Fehler machen lässt, ganz in dem Wissen, dass nur in der Nichtperfektion noch ein Vollendungspotenzial steckt, vorausgesetzt, man übernimmt anschließend Verantwortung für sein Tun. So erstreckt sich die Dankbarkeit auf alles, was das Leben zur Bewusstseinsentwicklung bietet, selbst wenn man es im ersten Moment als Fehler erzählt. 

Fördernder Glaubenssatz:

Auf anmutige Art Fehler zu machen, zeigt wahre Größe.

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6 Spirituelle Fähigkeit und spiritueller Wert (höheres Selbst):

Medialität. Kosmischer Bewusstseinsstrom. Die Medialität, also das in seiner Mitte sein und mit dem eigenen Bewusstseinsstrom synchron zu schwingen, eröffnet die Verbindung zum kosmischen Bewusstseinsstrom. Diese Verbindung ist das höhere Selbst. In diese Verbindung kann man sich bewusst hineinbegeben, zum Beispiel durch Trance, durch das automatische Schreiben, aber auch durch den inneren Dialog während einer meditativen Tätigkeit. Die Verbindung kann aber auch unbewusst im Hintergrund auf Standby stehen und sie aktiviert sich unwillkürlich, wenn man sich grundsätzlich in einer Haltung befindet, aus der heraus man seiner Intuition vertraut (das transrationale Urvertrauen). Es ist eine Bewusstheit dafür, dass man als Mensch in einer kooperativen Interdependenz mit dem Kosmos steht. Der kosmische Bewusstseinsstrom kann nur durch den Menschen wirken, wie der Mensch nur vom Kosmos diejenigen höheren Einsichten erhält, derer er*sie für seine*ihre im Leben gewählte Aufgabe bedarf.

Fördernde Glaubenssätze:

Meine Seele ist ein Teil des kosmischen Bewusstseinsstroms.

Mein Wollen und Tun stimmt mit dem evolutionären Strom überein, ich fließe mit ihm von Entwicklungsstufe zu Entwicklungsstufe.

Über die Schnittstelle, die ich als Mensch darstelle, über meinen Geist, arbeiten der Kosmos und ich wirksam zusammen.

Ich erhalte kosmische Hilfe und ich stehe als Kanal für kosmische Informationen zur Verfügung.

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Dualität (Inhumanität, Kampf ums Rechthaben) und Polarität (Humanität, Wahrheitsfindung in der Synthese):

Der Grad der entwickelten Humanität der Menschheit hängt direkt mit der Art ihrer Wahrheitsfindung zusammen. Das Rechthabenwollen schließt alle Wahrheiten außer der eigenen aus, so dass keine Bewusstseinsentwicklung und keine Horizonterweiterung stattfinden kann. Im dualistischen Denken hat man Angst vor der Komplexität größerer Zusammenhänge. Man hat Angst, eine größere Wahrheit für wahr halten und handhaben zu müssen. Größere und komplexere Gedankengebilde machen das Handeln fehleranfälliger. Man muss sich über Sachverhalte breiter und tiefer informieren als sie nur oberflächlich zur Kenntnis zu nehmen, wenn man echte Transformation im Denken bewirken will. Das mag manchen zu anstrengend und zu mühselig erscheinen. Das polare Bewusstsein dagegen hat Freude an der Vielfalt von Meinungen und Weltbildern, an der Diversität von Menschen, an den unterschiedlichen Auffassungen vom Weltgeschehen. Geschichtsschreibung würde unter einem polaren Bewusstsein eine multiperspektivische Erzählung ergeben und niemals nur die einseitige Sicht der Siegermächte darstellen. In der Multiperspektive würde eine Differenzierung stattfinden, die der Entfaltung von Menschlichkeit sehr zugutekäme.

© Ariela Sager

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