Das dritte Dreieck – Solarplexus

Der Weg zu Würde, Selbstrespekt und Nachhaltigkeit

Drittes Beziehungs- und Entwicklungsdreieck

Urangst: Angst vor der Wertlosigkeit. 

Grundbedürfnis: Bedürfnis nach Selbstwertsicherung. Die Selbstwertsicherheit ist der zweite Aspekt des Sicherheitsbedürfnisses, das sich zusammensetzt aus dem Sicherheitsgefühl gegenüber den Ereignissen des Lebens (Kompetenz/Kontrolle), der Sicherheit, die man in einem sozialen Gefüge erfährt (Würde/Selbstwert) und der existenziellen Sicherheit (Integrität/Konsistenz).

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1 Kontrollstrategie (Passivpol, passivischer Teil des Egos):

Selbstabwertung. Selbstbestrafung. Das Helfersyndrom. Der innere Kritiker. Der innere Kritiker ist eine der bekannteren inneren Kontrollinstanzen, einer der Realitätsbewältiger. Es handelt sich um die internalisierten kritischen Stimmen, die das eigene Selbstbild zumeist in der Kindheit stark beeinflusst haben. Abwertungen durch die nahen Bezugspersonen (oder durch bedrohende Instanzen) wurden mit der Zeit als Gegen- und Selbstverteidigungsmaßnahme vorweggenommen. Die kindliche und später konditionierte Strategie besteht darin, die Abwertung und die potenziell folgende Verletzung von außen abzumildern. Innerhalb des konditionierten Denkens wird aber nicht mehr zwischen dem Ziel der Strategie und dem internalisierten Selbstbild unterschieden. Das Individuum fühlt sich so minderwertig, wie es ihm suggeriert wurde und wie es die Suggestion selbst weitergeführt hat. Damit sollten zunächst die Gefühle der anderen kontrolliert werden. Später dient die automatisierte Selbstabwertung der eigenen Gefühlskontrolle. Man fühlt sich minderwertig und versucht den Schmerz zu kontrollieren, indem man so tut, als würde man sich in seine Minderwertigkeit schicken, als sei man mit dieser Einschätzung einverstanden. Man ist es aber in Wahrheit nicht (und sollte es auch  nicht sein). Das “Helfersyndrom” versucht diesem Ungleichgewicht zu begegnen, indem es durch das manipulative Geben versucht, seinen Wert bei anderen zu sichern. Es wird in der Erwartung geholfen, dadurch an Wert zu gewinnen. Die zur Schau getragene Pseudodemut hat nichts mit echter Demut vor der eigenen Größe zu tun. Die große Problematik besteht darin, dass die dazugehörigen Glaubenssätze über die Resonanz von der Umwelt gespiegelt werden und erlittene Gewalttätigkeit reproduziert wird.

Hemmende Glaubenssätze:

Ich bin nicht wichtig.

Auf mich muss man keine Rücksicht nehmen.

Ich bin immer zur Stelle, wenn man mich braucht.

Was ich tue, hat keinen großen Wert.

Ich kenne meinen Wert nicht.

Die Welt kann auf meinen Beitrag gut verzichten.

Und trotzdem muss ich das Gesetz erfüllen, das von mir verlangt, zu helfen, damit ich ein guter Mensch bin.

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2 Kompensationsstrategie (Aktivpol, aktivischer Teil des Egos):

Selbstüberhöhung. “Narzisstische Persönlichkeitszüge”. Eitle Selbstverliebtheit. Angeberei. Neid. Auch im Aktivpol herrscht eine Selbstwertunsicherheit vor, deren Schmerz an dieser Stelle kompensiert werden soll. Besonders der Neid weist darauf hin, dass und welche Werte im Individuum schlummern und bisher nicht verwirklicht werden. Die Kompensationsstrategien werden unter dem Begriff der “narzisstischen Persönlichkeitszüge” zusammengefasst. Aus dem Aktivpol heraus werden mit Resonanzpartner*innen gemeinsam toxische Beziehungen aufgebaut und bis zur gegenseitigen Zerstörung geführt. Letztlich versucht jeder Part in einer solchen Partnerschaft, sein wichtigstes Grundbedürfnis vom Anderen erfüllen zu lassen, nämlich den eigenen Wert zu sichern. Um das Thema der Selbstwertsicherung herum finden die intensivsten Beziehungskonflikte statt. Der Wert des Menschen ist vielleicht das derzeit wichtigste Menschheitsthema.

Hemmende Glaubenssätze:

Gut, dass ich da bin.

Ich bin das Beste, was der Welt passieren konnte.

Jemand Besseren als mich wirst du nicht finden.

Bin ich dir zu stark, bist du zu schwach.

Das Tapfere Schneiderlein ist schließlich auch König geworden.

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3 Einstellungswerte (Yin-Kraft / Emanzipation von der Urangst, weiblicher Teil des Selbst):

Respekt. Wertschätzung. Der Wert des Menschseins wird in seiner Menschwerdungsfähigkeit erkannt. Die Werte des Menschen sprechen über seinen selbstempfundenen Wert, also seinen Selbstwert. Die Werte sind integraler Bestandteil des Selbst. Sie bilden den gesunden Menschenverstand und den inneren Erwachsenen. Wenn ein Mensch wissen will, was er*sie wert ist, muss er*sie sich seine*ihre Werte vergegenwärtigen und damit den Entwicklungsweg, den er*sie in seiner*ihrer Selbstwerdung bereits zurückgelegt hat. Zu seinem*ihrem Wert gehört aber auch das Potenzial, das er*sie noch in sich trägt und das seine*ihre Seele zu entfalten beabsichtigt, zum Beispiel seine*ihre spirituelle Kraft, aber auch die Werte, die ihm*ihr seine*ihre Impulsivität bisher noch aus der Hand genommen hat, die zu verwirklichen er*sie sich aber durch Übung kontinuierlich erarbeitet.

Fördernde Glaubenssätze:

Ich bin wertvoll, weil ich ein Mensch bin.

Es stecken so viele Werte in mir, über die ich selbst bestimme.

Ich sehe meine Werte und meinen Wert und erweise mir selbst Respekt dafür, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, meinen Wert zu erfüllen.

Mein Wert als Mensch liegt darin, ganz Mensch damit ich selbst werden zu können.

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4 Schöpferische Werte (Yang-Kraft / Eigenkraft, männlicher Teil des Selbst):

Würdigung. Wertoffenbarung. Echte Hilfsbereitschaft. Wertschöpfung. Abgrenzung. Konsequenz. Es ist die Fähigkeit, den Wert einer Person, einer Handlung oder einer Situation mit einer verbalen Geste herauszustellen. Der Wert in einer Situation wird transparent und fühlbar gemacht, indem man so über die Situation spricht, dass sich ihr Wert offenbart. Da jedes wertende Sprechen eine Selbstoffenbarung ist, lohnt es sich, darauf zu achten, ob man in seinen Äußerungen häufiger würdigt oder herabwürdigt. Die Hilfsbereitschaft, die auf dieser integrativen Ebene angeboten und geleistet wird, verlangt keine Gegenleistung. Sie ist letztlich eine Konsequenz aus der Wertschätzung für einen Mitmenschen. Die Yang-Kraft ist in der Lage, aus einer neutralen oder sogar misslichen Situation etwas von Wert zu machen, zum Beispiel aus wenigen Zutaten ein köstliches Essen, in einem kargen Raum eine inspirierende Teestunde etc.. Die Aufgabe der Abgrenzung liegt darin, die eigene Identität und den empfundenen Selbstwert vor dem Ausgenutztwerden zu schützen.

Fördernde Glaubenssätze:

Ich helfe, wenn ich kann oder will, und ich lasse es, wenn ich nicht kann oder will.

Ich offenbare meinen Wert durch mein Tun, ohne ihn beweisen zu müssen.

Die durch mein Handeln verwirklichten Werte sprechen über meinen Wert als Mensch und meinen Weg der Menschwerdung.

Mein Weg der Menschwerdung ist mein Weg der Selbstwertoffenbarung.

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5 Ressource:

Die Würde des Menschen. Selbstwertsicherheit. Die Würde ist jedem Menschen inhärent, so wie der Wert eines Menschen in seinem Menschsein liegt. Der Sinn des Lebens liegt im Lebensvollzug (zweites Dreieck). Der Wert des Lebens liegt darin, dass es Zeit und Raum bietet und damit Gelegenheit, seinen individuellen Wert zu erkennen (Yin), zu offenbaren (Yang), zu erfüllen (spirituelle Dimension) und neuen Wert zu schöpfen (“die Rückkehr des Helden” im Märchen, Verwirklichung des inneren Urbildes bzw. der inneren Archetypen). Aus dem Wissen über seinen persönlichen Wert heraus geht man würdevoll auf andere Menschen zu und erweist sich ihrer Liebe und ihres Respekts als würdig. Man stellt seine Würde neben die Würde der anderen, nicht darüber und nicht darunter.

Fördernder Glaubenssatz:

Meine Wertintegrität ist völlig sicher, egal, was im Außen geschieht.

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6 Spirituelle Fähigkeit und spiritueller Wert (höheres Selbst):

Meisterschaft und Werterfüllung. Wenn das Menschsein an sich werthaltig ist, weil ihm die Entwicklungsfähigkeit zur vollen Humanität inhärent ist und das menschliche Wesen aus seiner Natur heraus nach dieser Entwicklungsmöglichkeit verlangt, muss das Individuum nichts weiter tun als es selbst zu sein. Auf diese Art meistert der Mensch das Leben am besten und lässt es gelingen: Indem er*sie er*sie selbst wird und ist. Um sich zufrieden und glücklich zu fühlen, darf der Mensch seine*ihre Möglichkeiten des Selbstseins aber auch nicht unterdrücken und beschneiden, wie er*sie es durch die Erziehung und durch die Erfüllung von Rollenbildern und durch die Anpassung an Gruppen oder Lebenssituationen so oft tut. Die Seele will ihren ihr inhärenten Wert (und nicht anderer Leute Erwartungen) erfüllen. Über den hintergründigen Bewusstseinsstrom kommuniziert die Seele mit der Psyche über diesen kosmischen Wert, aus dem sie besteht. Das konditionierte Denken allerdings kommuniziert zugleich mit der Psyche über die eingepflanzte Idee der Wertlosigkeit des Menschen und über seiner Unwürdigkeit (vor allem religiöse Dogmen liefern bis heute derartige Inhalte). Wird der Inhalt der Psyche nicht aufgeräumt und auf seine Werthaltigkeit hin sortiert, wird der Wert des Menschen nicht erfüllt, sondern stattdessen ignoriert. Dem konditionierten Denken wird dann zu viel Macht gegenüber dem Bewusstseinsstrom gegeben. Der Wert des Menschen wird dagegen erfüllt, wenn dem Individuum die Gelegenheit geboten wird, seine*ihre Anlagen zu kultivieren, sein*ihr Potenzial voll auszuschöpfen und sich darin von seiner*ihrer natürlichen Begeisterung führen zu lassen. Diese Gelegenheit zu verschaffen entspricht dem kosmischen Wert der Nachhaltigkeit. Er würdigt das, was im Wesen von allem, was ist, ewig ist und verschafft diesem Aspekt bewusst Raum zu seiner Entfaltung.

Fördernde Glaubenssätze:

Um meinen Wert als Mensch zu erfüllen, habe ich nichts weiter zu tun, als ganz ich selbst zu werden und zu sein.

Mit diesem Selbstsein erschaffe ich einen Raum, in dem auch andere ihren Wert entfalten und erfüllen können.

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Dualität (Gegensätzlichkeit) und Polarität (Gegensatzvereinigung):

Im dualistischen Denken werden Gegensätze betont und bewertet. Vermeintlich ist eine Eigenschaft oder eine Persönlichkeitsstruktur besser als eine andere, die darum als schlechter angesehen wird. Im dualistischen Denken vergleichen Menschen sich miteinander auf ihre Werthaltigkeit hin. In drastischen Fällen wird Menschen der Wert als Mensch sogar abgesprochen. Sie werden entmenschlicht. Auch die gegenseitige Instrumentalisierung zur Selbstwertsicherung spricht den Mitmenschen einen Wert an sich ab und schreibt Wert über den Nutzen zu, den ein Mitmensch in einem gegebenen Kontext erbringt. Somit ist mit dem Adjektiv “wertvoll” in instrumentalisierenden Kontexten kein ethischer Wert verbunden, sondern mit ihm wird der Grad an Nützlichkeit beschrieben. Innerhalb des dualistischen Denkens gibt es nur zwei Kategorien: Schwarz und Weiß. Gut und Schlecht. Dafür und Dagegen. Und so weiter. Innerhalb eines polaren Bewusstseins wird der Wert in der Unterschiedlichkeit gesehen. Die Diversität ist ein Wert an sich. Hier wird anerkannt, dass jeder Mensch einen Wert darstellt und es wird gespannt darauf geschaut, worin er besteht und auf welche Art das Individuum ihn offenbart (selbst wenn eine ganze Weile versucht wird, ihn auf äußerst ungeschickte und unwürdige Art zu offenbaren). Sobald der dem Menschen inhärente Wert sich zeigt, finden die sich gegenseitig ergänzenden und befruchtenden Werte über die Resonanz zueinander. In der so erfolgenden Gegensatzvereinigung kann gemeinsame Wertschöpfung stattfinden, die sich aus der Fruchtbarmachung der Unterschiedlichkeit ergibt.

© Ariela Sager

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