5 – Kommunikation

Ein authentischer Ausdruck ist mehr, als bloß von sich zu reden (zu schreiben, zu malen) oder seine Emotionen auszuleben und sprechen zu lassen. Es ist sogar etwas völlig anderes. Der authentische Ausdruck offenbart auf einem von vielen möglichen Kommunikationswegen das, was wir über uns und die Welt, vor allem aber über das Zusammenspiel zwischen der Welt und uns, herausgefunden und verstanden haben. Eine Kommunikation jenseits narzisstischer Selbstdarstellung, spricht von diesem Selbstverständnis, spricht über die Emotionen und Gefühle und gerät insofern authentisch, als sie sich mit einem anderen Menschen über das Menschsein offen und aufrichtig auszutauschen vermag. Hier wird die innere Bewegung in Form von Emotionen nicht ungefiltert ausagiert und jemand anderem zugemutet (was von der Authentizität weit entfernt wäre), sondern die Gefühle werden kanalisiert und dabei ehrlich verbalisiert, verschriftlicht, in Kunst verwandelt, in Bewegung, in Musik, in Lyrik oder im Gespräch offenbart.

Bei einem Gespräch, in dem wahrhaft miteinander kommuniziert wird, ist nicht nur das gesprochene Wort relevant, sondern auch alles andere an der Kommunikation Beteiligte wird berücksichtigt: die Körpersprache, die Gestik, die Mimik, die Tonalität, das Setzen von Pausen etc.. Bei einer authentischen Ausdrucksweise gehört alles zusammen und greift ineinander.

Echte Kommunikation verlangt von allen Gesprächspartner*innen ein hohes Maß an Akzeptanz, denn das hier ist nicht der Ort, an dem Erzählungen überprüft und transformiert werden sollen. Hier werden sie „nur“ ehrlich ausgedrückt. Die Aufrichtigkeit ist eine wichtige Charaktereigenschaft (Yin-Kraft), die zum authentischen Ausdruck vonnöten ist. Für eine aufrichtige Kommunikation braucht es, dass man mit seinem Unbewussten schon echten Kontakt aufgenommen hat (der Vorgang der Introspektion und der Integration), so dass man hier nicht mehr mit seinen Selbstbildkonstruktionen langweilt oder mit unreflektiertem Gejammer nervt. Man ist jetzt in der Lage, über das zu sprechen, was einen früher (bevor man sich die Mühe gemacht hat, sich selbst zu reflektieren) zum Jammern gebracht hat oder was es vielleicht auch jetzt noch tut. 

Aber so zu tun, als sei bei einem alles in bester Ordnung, während es das offensichtlich nicht ist – offen ersichtlich für Menschen, die die verschiedenen Arten der Kommunikation beherrschen – kommt unter der aktivierten Eigenkraft der Authentizität und der Fähigkeit zu echter Kommunikation nicht mehr in Frage. Gespräche unter der Regie der Yang-Kraft der Authentizität geraten tief und offen und ehrlich. Sie folgen der Idee, über die Kommunikation gemeinsam das Leben zu erforschen, um es immer besser verstehen zu können, was in diesem fünften Beziehungs- und Entwicklungsdreieck zur Ressource des Ausdrucksvermögens und der Integrität führen wird.

© Ariela Sager

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