Verbindung zu anderen Modellen

Im Laufe der nächsten fünf Jahre habe ich das nun also vom aristotelischen Dramadreieck inspirierte Denkmodell des Beziehungs- und Entwicklungsdreiecks aufgebaut und verfeinert und vor allem mit anderen Denkmodellen abgeglichen und die Denkmodelle über eine vergleichende Lektüre in einen synthetischen Zusammenhang miteinander gebracht. So habe ich verschiedene Textreihen entwickelt, in denen ich nach einer gründlichen Einführungsreihe in die Theorie und einer Vertiefungsreihe andere Denksysteme mit den Dreiecken neu gelesen habe. 

Zum Beispiel ließen sich die Texte Dr. Edward Bachs, die Bachblütenbeschreibungen, wie sie in einer deutschen Übersetzung vorliegen, anhand der dort beschriebenen Glaubenssätze und der von Edward Bach benannten psychohygienischen Lösungswege mit den Dreiecken neu beleben und die Ursprungsintention Edward Bachs noch einmal erhellen. 

Das Orakelsystem des französischen Lenormand ließ sich in den erweiterten Kartensystemen äußerst erkenntnisgewinnbringend mit den Dreiecken zusammen lesen. Hier dienten die Karten und die Bedeutungen ihrer Motive der Illustration und der Verlebendigung der sieben Dreiecke. 

Die Volksmärchen der Brüder Grimm mit dem Denkmodell der Dreiecke einer aktualisierten Lektüre zu unterziehen, bot sich natürlicherweise an. Märchen sind immer archetypisch aufgebaut, oder wie wir im Nachgang zu Aristoteles beschreibender Poetik sagen: Sie sind aristotelisch aufgebaut. Deshalb lässt sich der Weg des*der Held*in (bis auf ganz wenige Ausnahmen wie “Das tapfere Schneiderlein” oder “Vom Fischer und seiner Frau”) immer als Weg der Emanzipation lesen – und per Assoziation auf das eigene Leben anwenden. Dieses therapeutische Verfahren wurde von dem Psychologen C. G. Jung entwickelt und angewandt. Er arbeitete viel mit den Archetypen der Mythen und Märchen, um seinen Patient*innen einen besseren Zugang zu ihrem Bereich des Unbewussten zu verschaffen. 

Eine vorerst letzte Textreihe unternahm es dann noch, die 64 Hexagramme des altchinesischen I Ging im Spiegel der sieben Dreiecke zu lesen, was einerseits die Dreiecke wiederum illustrierte und andererseits die alten Orakeltexte in der Übersetzung aus den 1920er Jahren durch den deutschen Sinologen und Missionar Richard Wilhelm einer aktualisierten Lektüre unterzog.

Alle Texte befinden sich auf der Unterrichtsplattform Google Classroom versammelt, wo sie zur (begleiteten oder eigenständigen) aktiven Rezeption bereitstehen. Die Intention dieses Textraums, den ich „Studierzimmer“ nenne, ist die, dass die Texte nicht nur passiv konsumiert werden und der*die Leser*in mit dem Text allein bleibt, sondern dass eine Selbstreflexion über eine aktive Lektürebegleitung stattfindet. Meine Klient*innen treffen sich mit mir in den Texten über die Dreiecke. Wir tauschen uns schriftlich über ihre Assoziationen aus und ich führe sie über meine textgestützten Fragen tiefer in den Text hinein und über diesen Weg näher an ihr Selbstverständnis und die Erhellung von unbewussten Narrativen heran. Ganz aristotelisch. Auch die begleitete freie schriftliche Arbeit zur Transformation von unbewussten Narrativen in dem Coachingkonzept, das ich „Das Schreibspiel“ nenne, folgt dem aristotelischen Aufbau einer Erzählung, um die Klient*innen mit einer klaren Struktur in die Ausbildung einer werteorientierten Haltung hinein zu begleiten, in die Aktivierung ihrer Schöpferkraft hinein, in die Bildung tragfähiger Ressourcen über den Weg der Emanzipation von ihren Ängsten und inneren Konflikten. Dazu sichten und transformieren wir in einem persönlichen schriftlichen Austausch all die individuellen Erzählungen. 

Die Einweihung in das höhere Selbst ist das, was der Dreiecksspitze zugeordnet wird und was im aristotelischen Dreieck der Rückkehr des*der Held*in entspricht. Die Rückkehr ist das Symbol der Wiederanbindung an das eigene Urbild und die darin enthaltene essentielle Kraft des Menschen.

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